Eine Führung auf dem „christlich-jüdischen Kulturweg“

Unser Fachwart für Heimat & Kultur zeigte auf, wie harmonisch und unproblematisch das Zusammenleben zwischen Deutschen und deutschen Juden v.a. ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1933 war.

Nachdem der ursprüngliche Termin am 9.11. wegen Krankheit abgesagt werden musste, trafen sich eine Woche später neun Interessierte in Schmieheim.

Nach einer kurzen Einleitung mit Hinweisen zu den Schwerpunkten – v.a. jüdische Zeugnisse – und der Wegbeschaffenheit, hielt sich die Gruppe aufgrund der doch zahlreichen jüdischen Hinterlassenschaften lange in Schmieheim auf. Es gab zu sehen: die ehemalige, unscheinbare Synagoge, das Bezirksrabbinat inkl. Schule, der Gurs-Gedenkstein, die Villa Weyl, das ehemalige jüdische Gasthaus Krone und den Bernstein-Brunnen. Gerade am Beispiel des Brunnens zeigte Daniel Daul auf, wie harmonisch und unproblematisch das Zusammenleben zwischen Deutschen und deutschen Juden v.a. ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1933 war. Dass man also die Geschichte des deutschen Judentums nicht nur auf die Greuel der Nazizeit reduzieren sollte.

Es folgte ein langer Anstieg zum Eichberg mit Ausblicken in die Rheinebene und der „Abstieg“ nach Kippenheim.

Dort waren zu entdecken: der Ort, der erst 1983 abgerissenen ersten Synagoge im sog. Judenviertel, hebräische Schrift und Symbolik an einem Hauseingang, Wohn- und Geschäftshäuser von jüdischen Unternehmern, das Geburtshaus von Ilse L. Auerbacher, die als letztes jüdisches Kind am 31. 12. 34 in Kippenheim geboren worden war und noch 2022 im Bundestag und im gleichen Jahr im Gymnasium Kenzingen auftrat.

Höhepunkt aber war das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Maier. Daniel Daul ließ Kurt Salomon Maier (geb. 1930) zweimal „zu Wort kommen“: Ein kurzer Bericht, wie er als kleiner Junge 1938 das November-Pogrom erlebte und einen Text aus dem Jahre 1992, als ihm ganz überraschend ein Foto in die Hände kam, dass ihn und Teile seiner Familie zeigt, wie sie gerade für die Fahrt nach Gurs abgeholt wurden und durch welches er seine Erinnerung teilweise korrigieren und ergänzen konnte.

Der Weg zum Friedhof Schmieheim wurde auch wegen des einsetzenden Regen zügig zurückgelegt. Dort angekommen, konnte sich die Gruppe sogar trocken unter die riesigen Mammutbäume stellen und trotzdem eine gute Sicht auf Teile des Friedhofs genießen. Daniel Daul erläuterte die Wichtigkeit eines Friedhofs für jüdische Gemeinden und wies darauf hin, dass manche Symbolik auf den Gräbern durchaus weltlich, man könnte auch sagen christlich sein konnte, weil sich viele jüdische Familien im Lauf des 19. Jahrhunderts stark assimiliert hatten.

Nach gut vier Stunden und 10km Wegstrecke traf man nass, aber hoffentlich gut informiert wieder am Parkplatz ein.

Text: Daniel Daul

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